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Tiger und Drache - Prolog I
ein Bild

Schwarz auf rot
floß das Haar der Tigerin
in dicken, schweren Flechten
auf ihre glatten weißen Schultern.







Er betrachtete sie, wie sie da neben ihm lag auf dem zerwühlten Lager aus Fellen und Decken, und seine Augen maßen jeden Zoll ihres Körpers, tranken ihren Anblick im heller werdenden Licht des Morgens. Dort, wo nicht auf ihren Hüften ein Zipfel Stoff lag, konnte er auf ihrer Haut Narben und kleine Tätowierungen sehen, die bisher im Dunkel der Nacht verborgen geblieben waren; so erkannte er ihre Wirbelsäule hinab eine Anordnung verschlungener Zeichen, deren Bedeutung ihm zwar verschlossen blieb, deren magische Ausstrahlung jedoch unverkennbar war.
Wo sie die wohl herhatte?
Er streckte ein Hand aus, um ihr leicht über das Haar zu fahren, und verharrte, als die Frau leise stöhnte und den Kopf drehte, ihr Gesicht seinen erhobenen Fingern entgegenstreckend. Er strich also statt über den Scheitel über ihre Stirn, und ein Lächeln wie das einer zufriedenen Katze huschte über ihre Lippen, derweil ihre Lider fest geschlossen blieben. Es hätte ihn nicht gewundert, hätte sie geschnurrt. 'Tigerin’ hatte er sie in Ermangelung eines anderen Namens gerufen, und wie umso passender schien dies, hatten doch die Augen unter diesen Lidern im Laternenschein jener Gasse grüngolden geleuchtet.
Was hatte er eigentlich getan, ehe er den Kampflärm in der Seitengasse der Hauptstadt vernommen hatte? Wahrscheinlich wie so oft einen frustrierenden Abend in einer billigen Taverne mit dem Versuch verbracht, seine Erinnerungen in billigem Wein zu ertränken. Erst ab dem Punkt, an dem er über den ersten niedergestreckten Wegelagerer gestolpert war, erlangte sein Gedächtnis wieder an Schärfe.
Er hatte seinen Spieß fester gepackt, den er als Wanderstock benutzte, und war tiefer in die Gasse getreten. An einer Wand sah er einen Feuerwiderschein aufblitzen und vermutete, daß wohl um die Ecke jemand zaubere. Sein Verdacht wurde verstärkt, als er verschmortes Fleisch roch und kurz darauf zwei weitere Strauchdiebe bewußtlos auf dem Pflaster fand. Vorsichtig bewegte er sich näher an die Ecke heran und lugte herum. Zuerst sah er nur einen keulenschwingenden und gehässig kichernden Zwerg und einen Gnom, der sich eine Schulter hielt. Dann traf ein weiterer Feuerball den Gnom vor die Brust, so daß er umfiel, und als er die Flammenbahn zurückverfolgte, entdeckte er sie.
Im Licht der Laterne, unter der sie stand, flammte ihr rotes Haar wie das Feuer, das sie beschworen hatte. Obwohl die Gauner ihr wohl schon schwer zugesetzt hatten und sie sich schwer atmend und mit zerrissenen Gewändern auf ihren langen Magierstab stützen mußte, während sie mit einer Hand einen Dolch aus ihrem Gürtel nestelte, wirkte sie nicht ängstlich oder auch nur eingeschüchtert. Im Gegenteil, ihre Augen blitzten angriffslustig, und kurz kam ihm das Bild einer mit dem Schwanz peitschenden Tigerin in den Sinn, die mit ihrer Beute spielt.
Doch diese Magierin spielte nicht, im Gegenteil - der Wegelagerer würde sie mit zwei Schlägen seiner Keule niederstrecken, jetzt, wo er sie in die Enge getrieben hatte.
Er zögerte nicht. Die Schwere des Weins fiel von ihm ab, als er beherzt vorsprang und dem Zwerg das Ende seines Spießes ganz wie in alten Kriegertagen in die ungeschützte Halsbeuge rammte. Das erstaunte Aufseufzen des Zwergen folgte dem leisen Knirschen zertrümmerter Halswirbel, und die Keule fiel aus den plötzlich schlaffen Händen, ehe der Körper tot danebenfiel.
Er verharrte noch einen Augenblick in Kampfposition, ehe er sich aufrichtete und etwas verlegen der Magierin zuwandte. „Verzeiht, falls ich Euch erschreckt habe. Ich wollte nicht...“
„Das ist in Ordnung.“ Sie straffte sich, und sah ihren Retter würdevoll an. „Wer die Pfade des Raubes betritt, muß damit rechnen, gewaltsam zu enden.“ Sie schien noch etwas sagen zu wollen, zumindest atmete sie ein - doch dann sackte sie in sich zusammen, den Atem in einem erschöpften Seufzer ausstoßend. Ihr Stab fiel klappernd neben ihr aufs Pflaster.
Kaum, daß er an ihre Seite gesprungen war, erkannte er auch, daß ihre Wunden, die zuvor unter dem weiten Stoff ihrer grünweißen Gewänder verborgen geblieben waren, weit schwerer waren, als er vermutet hatte. Wenn er sich das so besah, konnte sie nur noch durch schiere Willenskraft gestanden haben. Rasch riß er einige Streifen aus seinem Hemd, um zumindest die ärgsten Schnitte zu verbinden.
Aus der Nähe betrachtet erkannte er, warum ihm das Bild einer Tigerin in den Kopf gekommen war: Fünf schwarze Zöpfe lagen wie Streifen auf ihrem roten Haar, das ihr offen bis zu den Brüsten hing. Hübschen weißen Brüsten, wie er dank des zerrissenen Obergewandes gut sehen konnte.
Mit einem lauten Räuspern hatte er sich selbst zur Ordnung ermahnt und den Riß im Stoff sittsam wieder zugezogen, ehe er überlegt hatte, zu welchem Heiler er sie wohl bringen konnte.
Er schmunzelte bei der Erinnerung daran, als er nun auf sie herabsah. Er hatte ja später in der Nacht noch weit mehr von ihrer weißen Haut gesehen als das. Doch nun riß er sich von ihrem Anblick los und rollte sich zur anderen Seite von dem Lager herunter. Er brauchte ja wahrlich keinen Luxus, doch vielleicht würde die Tigerin eine Tasse Tee zum Aufstehen zu schätzen wissen.

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Sie wurde wach davon, daß seine Präsenz sich entfernte.
Sofort schlug sie ein Auge auf und sah gerade noch im Spiegel, der direkt vor ihr neben dem Bett stand, wie er hinter ihr aus der Türe ging. Sie schloß das Auge wieder und lauschte für eine Weile den Geräuschen aus der nebenan gelegenen Küche. Als es klar wurde, daß er so bald nicht wiederkäme, entschloß sie sich, aufzustehen. Sie öffnete die Augen, setzte sich auf und schwang die Beine über den Bettrand. Im Spiegel, der so groß war wie sie, konnte sie sich in aller Ruhe betrachten.
‚Tigerin’ hatte er sie genannt, und sie hatte ihm bisher auch noch keinen anderen Namen genannt, da ihr der Klang gefiel. Als sie sich nun im Licht der Morgensonne sah, mit den schwarzen, gewellten Strähnen auf ihrem roten Haar, konnte sie die Assoziation auch verstehen. Sie sah zwar nicht aus wie eine Katze und ihr selbst wäre es nie in den Sinn gekommen, sich so zu nennen, doch die Farben paßten. Ursprünglich war ihr Haar ja nur rot gewesen, doch ein mißglücktes Zauberexperiment während ihres Noviziats im Metariansorden hatte ihr die fünf schwarzen Strähnen beschert, welche sie meist zu Zöpfen flocht, damit sie nicht so auffielen, wenn sie sich schon nicht zurückfärben ließen.
Sie grinste ihr Spiegelbild an. Dieser Spitzname war der erste Grund, diese Strähnen zu mögen.
Im Nebenraum hörte sie etwas klappern und klirren, gefolgt von einem gedämpften Fluch, und das Grinsen verging ihr. Genauso hatte ihr Retter geflucht, als der Heiler ihm die Rechnung präsentiert hatte. Sie glaubte ja, daß sie ihm das verlorene Gold gut vergolten hatte, wenn sie es ihm auch nicht hatte zurückgeben können, doch der Grund dafür war ihre eigene Dummheit gewesen. Warum mußte ihr auch vor der Magierakademie ihr Beutel mit den Ordensringen herunterfallen? Die würde sie zwar nie zu Gold machen, doch hatten sie mit ihren aus Edelstein geschnitzten Siegeln durchaus einen Wert für gewöhnliche Straßenräuber - die ihr letzten Endes ja auch aufgelauert hatten, als sie abends aus der Bibliothek kam. Drei oder vier hatte sie außer Gefecht setzen können, doch wäre der fremde Krieger nicht im letzten Moment aufgetaucht und hätte den Zwerg erledigt, wäre sie erledigt gewesen.
Mit einem an sich selbst gewandten ärgerlichen Knurren stand sie auf und wickelte sich eine Decke um den Leib. Das durfte ihr nicht wieder passieren. Überhaupt sollte sie die Hauptstadt so schnell wie möglich wieder verlassen.
Doch nun würde sie erst einmal sehen, was ihr Held der Nacht nebenan anstellte.

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Einige Zeit später saßen sie gemeinsam am großen Tisch in der Küche, die den größten Teil des Erdgeschosses des kleinen Hauses einnahm. Er hatte Tee gekocht und aufgeboten, was sich in der Speisekammer finden ließ: Brot, Käse und Schinken, gewürzter Schmalz, Honig und sogar ein Glas eingemachter Früchte aus dem letzten Sommer. Sie hatte sich, die Beine angezogen, auf einem Stuhl in die Decke gewickelt und sah nun über ihr Frühstück hinweg ihren Gastgeber an. Großgewachsen und dunkelhaarig war er, und die Narben in seinem Gesicht und an seinen Armen sprachen von einer kriegerischen Vergangenheit. Doch bisher hatte sie, von dem hölzernen Spieß abgesehen, noch keine Waffen im Haus entdecken können. Ihre eigenen rituellen Tätowierungen und Narben kamen ihr im Vergleich zu seinen Kampfspuren regelrecht lächerlich vor.
In welchen Schlachten er die wohl davongetragen hatte?
„Wie heißt du eigentlich?“ fragte er in ihre Gedanken hinein und ohne sie anzusehen. Seine Finger hielten den Löffel, mit dem er vorgeblich hochkonzentriert Honig in seinen Tee rührte. „Ich meine, ich kann dich ja nicht die ganze Zeit Tigerin nennen, oder?“
Sie zögerte. Ihm ihren Namen zu nennen hieße, einen Teil ihrer selbst wegzugeben. Sie konnte ihm den unbedeutenden Namen ihrer Geburt nennen, doch war das seit ihrer ersten Priesterweihe nicht mehr ihr Name. Eigentlich war sie ihm zumindest soviel noch schuldig, doch sie kannte seinen Namen ja genausowenig.
„Ich heiße übrigens Sandal“, sagte er, als habe er ihre Überlegungen gehört, und sah sie an. In seinem Blick lag nun etwas abwartendes, lauerndes. „Sandal Tolk.“
Der Name brachte irgend etwas in ihren Erinnerungen zum Klingen, doch sie kam nicht darauf - wie das nun einmal ist, wenn man weiß, man weiß etwas, aber einfach nicht darauf kommt. Nichtsdestotrotz lächelte sie ihn an.
„Man nennt mich Aemera“, erwiderte sie, und mit jeder Silbe des Wortes spürte sie einen Funken Magie aufsteigen.
„Nur Aemera? Sonst nichts?“ fragte er nach, und sie nickte.
„Nur Aemera.“
Darauf folgte ein Augenblick der Stille, doch war es nicht das peinliche Schweigen, wie es zwischen ihnen geherrscht hatte, als sie gemeinsam den Heiler verlassen hatten.

Nachdem sie wieder zu sich gekommen war und ihr Retter die Rechnung bezahlt hatte, hatte sie noch mit notdürftigen Stichen die ärgsten Löcher in ihrer Kleidung geflickt, ohne viel zu sprechen. Dann hatten sie auf der Straße gestanden, und verlegen in verschiedene Richtungen geschaut, während abendliche Müßiggänger und späte Arbeiter an ihnen vorbeigegangen waren, ohne sie zu beachten. Aemera erinnerte sich, daß sie sich darüber geärgert hatte, daß ihr Untergewand zerrissen war, und daß Regen in der Luft gelegen hatte.
„Tja. Hoffentlich... “ Ihr Retter räusperte sich trocken und machte einen Schritt, hielt aber sofort wieder an. Seine Blicke huschte unstet die Straße hinauf und hinunter und mieden die junge Frau an seiner Seite. „Ihr solltet Euch nicht wieder in dunkle Gassen begeben. Gebt auf Euch acht!“ Abrupt ging er los, nach links in Richtung des Nordtores.
Blinzelnd ruckte sie den Kopf herum. Eine Hand fingerte unbewußt an einem hastig geflickten Riß über ihrer Brust herum, während ihre Augen sich verengten, ihr Blick ein Loch in seinen Hinterkopf hätte brennen müssen. Die andere Hand hielt den Stab aus bewußtem Holz, ohne zu zittern und ohne sich darauf zu stützen. Sie wollte etwas sagen, doch in dem Moment, als sie einatmete, trafen ihre Finger auf die Kugel an ihrem Hals; und sie ließ den Atem wieder entweichen.
Sie maß seinen Gang und seine Haltung, als der von ihr fort schritt; groß gewachsen war er, allemal zwei Hände größer als sie, aber er trug sich gebeugt, mit eingezogenen Schultern. Seine Bewegungen jedoch sprachen eine andere Sprache. Wie er seine Schritte mit dem größtmöglichen Abstand zu allem wählte, gleichzeitig jederzeit sprungbereit wirkend, und die Art, wie er kräftig, doch kurz vor dem Auftreffen abbremsend, seinen Stock auf die Pflastersteine stieß - dies war kein Mann, der sich duckte. Die Präzision, mit der er sich und auch die Waffe in seiner Hand, die für so manchen ‚Helden’ nur ein Knüppel gewesen wäre, kontrollierte, sprach für einen Krieger, der sich sehr bewußt war, was er tat.
Und in seinen raschen Schritten lag kein Zögern, Abstand zwischen sich und das Haus des Heilers zu legen.
Sie hatte ihm noch einen Augenblick nachgesehen, ehe sie selbst in die andere Richtung, wieder in die Stadt und zu den Laboratorien, losgegangen war.
Aemera trank einen Schluck Tee und musterte Sandal über den Rand des Bechers hinweg. Nicht nur sein Körper, auch sein Gesicht trug die Spuren vieler Kämpfe, wenn auch weniger in Narben denn in Linien gezeichnet. Er war zumindest ein Soldat, wenn nicht gar ein hochrangiger Kämpfer, doch ohne Waffen im Haus, die sie bisher gesehen hätte. Nicht, daß sie glaubte, er brauche welche.
Ein seltsamer Krieger, in der Tat. Wolf im Schafspelz , war es ihr zuvor in den Sinn gekommen, doch nun, am Morgen, schien ihr das nicht stark genug. Ein Drache an der Kette.
Nachdenklich nahm sie einen weiteren Schluck.

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Konnte sie es nicht endlich lassen, ihn ständig anzustarren?
Sandal gab sich Mühe, sich sein Unbehagen nicht anmerken zu lassen, und konzentrierte seine Finger darauf, das Brot vor ihm in mundgerechte Stücke zu schneiden, ohne Aemera anzusehen. Doch er spürte weiterhin ihre Augen auf sich ruhen, während seine Gedanken damit beschäftigt waren, eine Erklärung für den Fund zu suchen, den er vorhin gemacht hatte.
Er war mit dem Fuß am Träger ihrer Tasche hängengeblieben, als er Wasser für den Tee holen wollte, und hatte sie so quer durch den Raum geschleudert. Dabei war ein weicher Lederbeutel herausgefallen und aufgegangen, und schon waren eine Handvoll glitzernder Ringe über den Holzboden gekullert. Silberne und goldene Ringe, jeweils fünf, besetzt mit aus Edelsteinen geschnittenen Siegeln. Er hatte die Siegel erkannt, als er sie beeilt hatte, alles wieder aufzusammeln und die Tasche zurückzulegen, und nun wunderte er sich.
Daß diese Frau Magierin war, hatte er ja nicht übersehen können, und daß sie irgendwelche ihm unbekannten Rituale mitgemacht hatte, verrieten die Tätowierungen, die sich blau und schwarz von der weißen Haut ihrer Schultern, ihres Rückens und Beckens abhoben. Doch warum sie Siegel der Priesterschaften bei sich trug, und zwar aller, konnte er sich nicht erklären.
Noch nicht.
Wenn er das Brot noch kleiner schnitt, würde es auffällig, daß er es bewußt vermied, sie anzusehen, also steckte er sich das erste Stück in den Mund. Kauend überlegte er weiter und konnte gerade noch verhindern, daß er zu seinen eigenen Gedanken den Kopf schüttelte.
Nein, kein ‚noch nicht’.
Wer sie auch war, was sie auch war, für ihn würde sie die Tigerin bleiben und er würde sie auch nicht mehr wiedersehen. Die letzte Nacht, so angenehm sie auch gewesen war, war zu gefährlich gewesen und würde sich nicht wiederholen. Durfte sich nicht wiederholen. Nach dem Frühstück würde er ihr ihre Kleidung reichen, sie zur Tür begeleiten und hinter ihr das Schloß verriegeln.
Das wäre besser für sie.
Nun sah er sie doch wieder an. Sie zeigte ihm ihr Profil, während sie sich im Raum umsah. Sein Blick folgte ihrer Kinnlinie und den schlanken Hals hinunter und blieb an der gläsernen Kugel haften, welche sie an einem Lederband um den Hals trug. Milchig grau schimmerte der haselnußgroße Anhänger, ohne kalt zu wirken, denn das Rot ihrer Haare schien sich darin zu fangen und der Kugel einen warmen Glanz zu geben, die zwischen ihren Schlüsselbeinen ruhte und mit jedem Atemzug leicht zitterte.
Ja, sie war sicher mehr als hübsch, doch das war nur ein Grund mehr, sie wegzuschicken. Von der Seite konnte er ihre grünleuchtenden Augen mustern, die interessiert durch den Raum blickten. Im Licht von Feuer wirkten sie goldener, so wie am Abend, als sie beim Heiler gesessen hatten.
Er hatte sie beobachtet, wie sie mit wütenden Stichen ihre Kleider zusammengeflickt hatte im Licht der wenigen Kerzen, die der sparsame Heiler aufgestellt hatte. So, wie sie auf den Stoff eingestochen hatte, mußte sie innerlich wesentlich aufgewühlter gewesen sein als ihre unbewegt würdevolle Miene einen hatte glauben machen sollen, und ihre Augen... Dieses funkelnde Grün hatte ihn in ihrem Bann gehalten, und sein Herz schien sich nicht entscheiden zu können, ob es schneller schlagen oder aussetzen sollte.
Er riß den Blick los, als der Heiler sich neben ihm räusperte, und stand auf. Kurz darauf fluchte er verhalten, als der ältliche Mann ihm den Preis für die späte Behandlung nannte, doch er bezahlte, ohne zu feilschen. Er hatte keine Lust auf Diskussionen, nicht nachdem er zum ersten Mal seit Jahren in einen Kampf eingegriffen hatte. Er konnte immernoch spüren, wie der Kampfgeist in ihm ob der gelockerten Fesseln aufbegehrte, und wie seine Muskeln danach schrieen, erneut zuzuschlagen, Haut zu zerfetzen und Blut fließen zu lassen.
Ein Knurren unterdrückend wandte er sich von Frau und Heiler ab und ging zur Tür hinaus, um sich draußen an die Hauswand zu lehnen. Die Nachtluft war zwar kühl, doch half das wenig. Kurz überlegte er, jetzt einfach zu gehen, doch das wurde verhindert, als die Tür sich erneut öffnete und die Tigerin herauskam und sich neben ihn stellte. Er sah sie nicht an, doch er konnte aus dem Augenwinkel erkennen, daß sie ihm das Gesicht auch nicht zuwandte.
Einige lange Augenblicke später hatte er sich durchgerungen.
Er sagte noch irgend etwas belangloses, daß sie auf sich aufpassen sollte, und ging dann rasch davon, ehe er noch etwas tun konnte, was zu riskant gewesen wäre. Er hatte schon seit Jahren kaum mit Frauen gesprochen, und schon gar nicht so viel Haut von einer gesehen, die nicht gerade eine billige Tänzerin in einer schmierigen Taverne gewesen war. Das Aufbegehren und Verlangen seines Körpers war nicht allein das des Kampfes.
Er war froh gewesen, daß sie ihm nicht nachgerufen hatte wie ein Liebchen, das auf romantische Abenteuer mit ihrem Helden der Nacht hoffte. Obwohl sie noch recht jung schien und ihm auch nur bis zur Schulter reichte, fiel sie wohl doch nicht in die Kategorie ‚niedlich’, und darüber war er froh. Niedliche Frauen hatten die Angewohnheit, anhänglich zu sein, wenn er sich recht erinnerte.
Vom Heiler war er in Richtung des Hauses gegangen, das er mit zwei anderen Schmieden teilte. Er erinnerte sich, daß er sich gestern noch darüber geärgert hatte, daß die beiden ausgerechnet diese Woche nicht da waren und ihn mit der Arbeit für den kommenden Tag allein gelassen hatten. Jetzt, als sein Blick von den Augen seines Gasts über ihre Lippen hinunter zu den Ansätzen ihrer Brüste wanderte, war er über diesen Umstand doch recht froh.
„Willst du mich noch lange so anstarren, oder möchtest du sie nochmal anfassen?“ fragte Aemera auf einmal keck.
Die Frage kam so plötzlich und war so direkt, daß Sandal nicht verhindern konnte, daß ihm das Blut wieder in Wallung geriet, und zwar nicht im Kopf. Dennoch gelang es ihm, den Trieb zu unterdrücken und der Frau ins verführerisch lächelnde Gesicht zu sehen. Ihre grünen Augen forderten ihn heraus.
„Weder noch.“ Es kostete Mühe, das zu sagen, und er war fast schon stolz, daß seine Stimme nicht rauh war, so trocken, wie sein Mund sich auf einmal anfühlte. „Ich möchte, daß du deine Sachen nimmst und gehst.“ Er stand auf und sah betont an ihr vorbei, als er sein Hemd von der Stuhllehne nahm und anzog. „Auf mich wartet eine Menge Arbeit.“
Er schritt an ihr vorbei zu seiner Schlafkammer, und im Vorbeigehen warf er einen kurzen Blick auf ihr Gesicht. Oberflächlich mochte sie verwirrt, ja, gar ein wenig schockiert wirken, doch ihre Augen, diese verdammten Augen... Die Tigerin schien auf etwas zu lauern.
Er wollte ihr keine Gelegenheit geben, ihn herausfinden zu lassen, auf was.

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Das Lächeln verabschiedete sich zusammen mit der gelösten Stimmung, während Aemera den Rücken des Mannes anstarrte, wobei nur ihre jahrelangen Ausbildungen verhinderten, daß dies mehr als ein Weiten der Augen und ein leichtes Drehen des Kopfes bedeutete.
Er warf sie hinaus? Einfach so?
Nach dieser Nacht?
Ein Dutzend Erklärungsmöglichkeiten für sein seltsames Verhalten auf einmal schossen ihr durch den Kopf und wurden ebenso schnell wieder verworfen, während sie, äußerlich ruhig, sitzen blieb, als hätte er nichts gesagt. Äußerliche Ruhe und Gelassenheit, wenn sie ihr Gegenüber am liebsten angeschrieen hätte, war das einzige, worin alle ihre Lehrer sie je als Meisterin bestätigt hatten.
Levonars Lehren sprachen von der Schöpfung und der Heilung, von der Pflicht und Ehre, das Leben zu schenken, zu erhalten und zu bessern. „Mitgefühl haben heißt, die bitteren Gefühle des verletzten und geschundenen Geschöpfes zu erkennen, um sie zu lindern.“ Dieser Satz der alten Erdpriesterin Ka’zarrak kamen ihr nun in den Sinn, doch sie konnte nicht mitfühlen. Sie konnte nicht die Kämpfe erahnen, die dieser Mann durchgestanden haben mochte.
Ohne zu zittern führte sie die Teetasse erneut vor ihr Gesicht, doch anstatt zu trinken, blickte Aemera durch die klare, bräunliche Flüssigkeit auf die Kräuterreste, die sich am Boden der Tasse gesammelt hatten, und ließ ihre Gedanken und Sinne wieder treiben. Genau so hatte sie am Abend zuvor auch in den Absud gestarrt, in dem sie den zermahlenen Magiestaub aufgekocht hatte, um die Essenz daraus zu destillieren.
Sie hatte sich ins örtliche Laboratorium begeben, um ihr Studium der Alchemie weiterzuführen. Dort waren zu so später Stunde nur noch die hartgesottensten und in ihre Arbeit versunkensten Gnome anzutreffen gewesen, von denen Aemera niemanden kannte, weil sie noch neu in der Stadt war, und von denen sie auch keiner ansprach. Schweigend hatte sie ihre Materialien auf einem Tisch ausgebreitet und zum Mörser gegriffen, um die Stäube zu zerstoßen.

Eine Zeit lang arbeitete die Priesterin schweigend, im Geiste die Lehren der Lichten und der Dunklen Fünf rezitierend, um Ruhe zu finden. Es dauerte nicht lange, da war sie in einen tranceartigen Zustand gefallen, und ihre Hände arbeiteten, während der Geist losgelöst war und sich mit anderen Dingen beschäftigen konnte. Sie gab den zerstoßenen Magiestaub in eine gläserne Bauchflasche und goß gereinigtes Wasser darauf, ehe sie das Gefäß auf die kleine, heiße Flamme stellte.
Das Geschehen des Abends, der Überfall und die merkwürdige Bekanntschaft, rückte in den Hintergrund ihres Bewußtseins, und sie überlegte, was sie weiter anfangen würde, wenn sie ihre Besuche bei den einzelnen Tempeln der Hauptstadt beendet hätte. Einen Tag pro Tempel hatte sie eingeplant, und seit vier Tagen war sie nun hier, in denen sie nacheinander den Tempel Levonars und Xzarrus, Metarians und Kordans besucht hatte. Man hatte die Siegel, die sie bei sich trug, akzeptiert, wenn auch sehr unterschiedlich. Wo die Hohepriesterin Levonars Aemeras Streben mild lächelnd gesegnet hatte, gaben die Priester sowohl Metarians als auch Xzarrus’ ihren Segen nur widerwillig und zähneknirschend, konnten sie beide doch nicht den ihnen entgegengesetzten Glauben an derselben Kette um den Hals einer Adeptin ertragen. Roirhan hingegen hatte sie voller Begeisterung in Kordans erfüllende Flammen getaucht, aus denen sie gestärkt - und nicht wenig verwirrt - herausgegangen war.
Morgen würde sie das Heiligtum Gavz Dorls besuchen, und die hoffte, daß dessen erfrischende Kühle ihren Geist wieder klären würde. Sicher hatte es nur am Besuch im Kordanstempel gelegen, daß ihr das Mißgeschick auf der Treppe hatte passieren können.
Solcherlei verloren sich ihre Gedanken im siedenden Destillat, dessen goldenes Schimmern sich in ihren grünen Augen widerspiegelte.
Es geschah ohne Vorwarnung. Im einen Moment noch ging alles im Laboratorium seinen geregelten Gang, im nächsten flog ein Feuerball durch ein Fenster und verwandelte den Raum in ein flammendes Inferno. Aemera wurde in einem Hagel aus zersplittertem Glas, umherspritzender Destillate und metallener Werkzeuge von ihrem Hocker und zu Boden geworfen. Um sie herum hörte sie die Schreie der anderen Alchemisten, doch dichter Rauch erfüllte die Luft innerhalb eines Wimpernschlages, nachdem Kopf und Schultern der Priesterin schmerzhaft Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hatten. Sie wollte sich, trotz der Sterne vor Augen, aufrappeln und zur Tür laufen, doch ein Atemzug des beißenden Qualms schickte sie wieder zu Boden.
Hustend und würgend tastete sie wild umher, bis sie ihren Beutel spürte und packte. Die wichtigste ihrer Habseligkeiten, und sobald sie die hatte, kroch sie los, die Augen zusammengekniffen und die Nase flach über den Fliesen, wo die Luft wenigstens noch atembar war. Auf ihrem Weg schnitt sie sich an zerbrochenen Destillierkolben Arme und Beine auf, doch ihre Gebete richteten sich an alle Götter, denen sie diente, daß sie nur lebend hier herauskommen möge.
Die Schreie verstummten allmählich, und Aemera wagte mit einem Teil ihres Verstandes, sich zu fragen, ob sie es wohl hinaus geschafft haben mochten, als ihre Hand etwas Weiches ertastete. Ihre schlimmen Ahnungen bewahrheiteten sich, als sie blinzelnd das Gesicht Liandareas erkannte, der ältlichen Gnomin, die ihr an ihrem ersten Tag hier die Arbeitsplätze gezeigt hatte.
Die junge Priesterin stemmte sich auf die Knie hoch und faltete im Gebet die Hände. Für einen langen angehaltenen Atemzug empfahl sie die Seele der Gnomin der Obhut der Götter und bat besonders Xzarrus um Gnade, bis ihr schwindlig geworden war und sie den Kopf wieder zum Boden gesenkt hatte.
Sie hatte spüren können, wie ihr Verstand zu umnachten drohte; auf jeden Fall hatte sie bereits die Orientierung verloren. In welcher Richtung die Tür lag, hatte sie nur noch raten können, und sie hatte sich ergeben. Leben und Sterben sind eins.

Leben und Sterben sind eins.
Die grüngoldenen Augen lösten sich aus der Teetasse und blickten wieder auf die Tür, die sich hinter Sandal geschlossen hatte.
Das war die Antwort, und dieser Mann war der Schlüssel. Wo das Schloß dazu war, davon hatte Aemera noch keine Vorstellung, aber Sandal Tolk war der Schlüssel.
Sie stellte die Teetasse fest genug auf den Tisch, daß er das Geräusch auch in der Schlafkammer noch hören mußte, und stand auf. Er wollte, daß sie ging? Na gut. Aber das hieß ja nicht, daß sie nicht wiederkommen konnte.

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Sandal hörte endlich ein Geräusch - das einer Tasse, die auf den Tisch gestellt wurde, und danach, wie die Tigerin den Stuhl zurückschob und aufstand. Na endlich.
Er wußte nicht, wie lange er jetzt gegen die Tür gelehnt dagestanden und gelauscht hatte, während er das rauschende Blut in seinen Adern zur Ruhe zu zwingen versucht hatte. Ein paar Atemzüge, vielleicht aber auch nur eine halbe Ewigkeit. Es war egal. Er wollte nur, daß sie ging.
Er legte den Kopf gegen das Holz der Tür und schloß die Augen. Das Patschen nackter Füße und leise Rascheln von Stoff von der anderen Seite sagte ihm, daß sie sich tatsächlich anzog, und er verbot es sich, dabei daran zu denken, welch Anblick das wohl sei. Stattdessen zwang er seine Gedanken in eine gänzlich andere Richtung, wandte seinen Geist der Bearbeitung von Metall zu, dem Feuer der Esse, dem Klingen des Hammers und dem Zischen, wenn noch rotglühende Werkstücke in Wasser und Öl gehärtet wurden. Er würde heute noch einiges zu fertigen haben, mit dem er eigentlich schon in der früh hatte anfangen wollen - jedenfalls hatte so noch sein Plan ausgesehen, als er nach Hause gegangen war. Doch dort hatte ihm in dem leeren Haus bald die Decke auf den Kopf zu fallen gedroht.
Der Kampf, so kurz er auch gewesen sein mochte, und die Verwundungen der Frau hatten Erinnerungen in Sandal wachgerüttelt; Erinnerungen, die er unter vielen Mauern begraben geglaubt hatte. Blutiger Sand, abgerissene Gliedmaße, die Köpfe von Orks - Männern, Frauen, Kindern - aufgespießt auf Pfählen vor der Kulisse eines brennenden Dorfes. Und er war durch das Blut gewatet und hatte seine Klinge darin gebadet, während seine Männer forttrugen was sie konnten und den Rest zerstörten. Das waren die Orkkriege gewesen, und irgendwann in dieser Zeit hatte er einen Teil seiner selbst verloren gehabt.
Diese Erinnerungen hatten ihn dann auch wieder aus dem leeren Haus hinausgetrieben, und er war eine Zeit lang ziellos durch die leeren, dunklen Straßen gelaufen, um den Kopf wieder frei und das Adrenalin aus den Adern zu bekommen.
Er lief durch das Viertel der Schmiede und Schmelzer, vorbei auch an den Eingängen zu den Stollen und am Bauhof. Überall in den Handwerksgebäuden brannte noch Licht, doch auf den Straßen zeigte sich kaum eine Gestalt, und so konnte er weit ausgreifend laufen, ohne durch andere Leute behindert zu werden. Streckenweise rannte er fast, doch ohne auch nur im geringsten außer Atem zu kommen. Sein Körper war nach wie vor ausgezeichnet in Form.
Er überquerte gerade die Straße, die vom Marktplatz zur Arena führte, als ein ohrenbetäubender Knall die Nachtluft erschütterte. Er fuhr herum und sah auch schon eine Rauchwolke aufsteigen, an der sich der orangene Schein von Feuer brach. Wo war das? Die Schneiderei? Die Werkstätten? Das Laboratorium? Ohne nachzudenken lief er los. Es lag einfach in seiner Natur.
Die vier Straßen bis zu dem Brand flog er praktisch dahin, und schnell sah er den Ort des Unglücks: Das Laboratorium. Flammen leckten am Dachstuhl, und dichter Rauch quoll in bösartigen schwarzen Schwaden aus den zersplitterten Fenstern. An den umliegenden Häusern drängten sich die Neugierigen, und ein paar wenige Mutige versuchten, mit Eimern eine Kette zu bilden, doch das bißchen Wasser schien den Brand nicht aufhalten zu können.
„... noch drinnen“, drangen gekrächzte Worte an Sandals Ohr, und als er sich umblickte, sah er einen rußschwarzen Gnom, dessen Haar und Körper ihm praktisch vom Leib gebrannt worden war. „Mindestens ... drei...“ Gequälter Husten unterbrach den kleinen Alchemisten, doch die Informationen genügten Sandal. Er lief los, riß sich im Laufen das Hemd vom Körper und tauchte es im Vorbeirennen in den Eimer eines Helfers, um es sich dann, klatschnaß, vor Mund und Nase zu binden.
Wenn da noch jemand drin war, mußte er die Leute herausholen - Wer sollte es denn sonst tun?

Er konnte keine Flammen erkennen, als er in die Türe trat, die Augen vor dem beißenden Qualm zusammengekniffen - doch der rötliche Schein auf den dunklen Schwaden bewies, daß sie da waren - ebenso wie die Hitze, welche seine Haut sich zusammenziehen ließ. Er hörte noch die aufgeregten Rufe von draußen, und das gelegentliche Zischen, wenn wieder ein Helfer einen wirkungslosen Eimer Wasser auf das Dach leerte, aber seine Aufmerksamkeit richtete sich nach vorn, in das Laboratorium.
Doch der dichte, dunkle Rauch ließ ihn kaum noch etwas sehen, und so mußte Sandal sich, so gut er konnte, durch das Laboratorium tasten. Vorsichtig schob er einen Fuß nach dem anderen über den Holzboden, durch Splitter und Scherben, bis seine Zehen in den Lederstiefeln gegen etwas Weiches stießen. Rasch ging er in die Knie und tastete weiter. Der Größe nach mußte dies ein weiterer Gnom sein, und an dem dünnen Hals konnte Sandal auch einen Lebenspuls erfühlen. Schnell war der leblose Körper auf den Arm genommen, und da seine Füße sich jeden Weg, den der Krieger je genommen hatte, merkten, war er auch ohne etwas zu sehen weit schneller draußen als zuvor drinnen.
Er nahm die erleichterten Ausrufe gar nicht wahr, als er den kleinen Körper in sicherer Entfernung zum Brand behutsam aufs Pflaster legte. Ohne sich durch irgendwen aufhalten zu lassen machte er kehrt und stürmte wieder in das brennende Haus.
Diesmal konnte er zielstrebig dahin gehen, wo er eben den bewußtlosen Gnom gefunden hatte; dann tastete er sich wieder Schritt für Schritt vorwärts. Er spürte, daß die Zeit drängte, denn über ihm nahm der dunkle Qualm bereits das bösartige Rot der Flammen im Gebälk an. Nicht mehr lange, und aus dem Knacken und Knistern würde ein Krachen werden; nämlich dann, wenn der Dachstuhl zusammenbrach. Er mußte sich beeilen.
Ein paar Schritte weiter mußte er einem Tisch ausweichen, ehe seine Stiefel wieder einen leblosen Körper berührten. Wieder ging er in die Hocke, und seine Finger ertasteten einen weiteren Gnom - Gnomin, korrigierte er sich, als er die leichten Erhebungen auf der Brust spürte. Eine Brust, die sich nicht mehr hob noch senkte, nicht im geringsten. Der Griff an den faltigen Hals bestätigte nur seine Befürchtung - für diese hier kam jede Rettung zu spät.
Drei. Der Alchemist draußen hatte von drei gesprochen.
Er mußte sich beeilen.
Rauch und Hitze hatten sein Hemd bereits getrocknet, und der Schutz vor dem Rauch war so gering geworden, daß er es nicht riskieren durfte, wieder aufzustehen, wenn er bei Bewußtsein bleiben wollte. Die Scherben, die zuvor unter seinen Sohlen geknirscht hatten, schnitten ihm nun in die Hände, als er auf allen Vieren durch das Laboratorium krabbelte. Noch ein Arbeitstisch, und noch einer, und wenn er richtig informiert war, mußten das alle sein. Es gab zwar mehrere Laboratorien, doch in jedem standen nur acht Arbeitsplätze, je zwei pro Tisch, zur Verfügung. Wo also...?
Er fing bereits an zu husten, und sehen konnte er auch nicht mehr viel, weil der Rauch ihm so in den Augen brannte, als er schließlich wieder Haare unter seinen tastenden Händen spürte. Ein Schrei aus vielen Kehlen übertönte beinahe das Krachen, das über ihm den Kollaps des Gebäudes ankündigte, als er an der Kehle der Person vor sich einen flachen Puls spürte - kein Gnom diesmal, zu groß dafür. Keine Zeit mehr zu verlieren.
Ohne nachzudenken hatte er sich den Körper über die Schulter geworfen, hatte noch einen letzten halbwegs klaren Atemzug aus Bodennähe genommen und war dann hinausgerannt, so schnell ihn seine Beine hatten tragen können. Die sprühenden Funken, als das Dach in das Labor gestürzt war, hatten ihn in der Türe überholt, und in einem Feuersturm war er mit der Bewußtlosen auf der Schulter in Sicherheit gestolpert, während hinter ihm das Gebäude zusammengebrochen war.

Verdammt, jetzt dachte er doch wieder an sie. Mit einem plötzlichen Ruck schlug Sandal den Hinterkopf gegen das Holz der Tür, und auf den dumpfen Schlag folgte ein Augenblick der Stille draußen. Er schloß die Augen und wartete.
Nach einigen Atemzügen hörte er die Tigerin wieder in seiner Wohnstube rumoren, und schließlich - endlich! - vernahm er auch das Geräusch, mit dem die Haustür geöffnet wurde. Wieder war es einen Moment still, und er konnte sich gut vorstellen, wie sie in der Türe stand, unschlüssig, ob sie wirklich ohne ein Wort gehen sollte. Für einen winzigen Moment sah er sich selbst die Schlafzimmertüre öffnen, zu ihr gehen und ihr einen Abschiedkuß geben, doch er unterdrückte den Gedanken sofort. Das würde alles nun noch schlimmer machen, wo es doch fast schon wieder gut war.
Dann schließlich fiel die Tür ins Schloß, und eine Lawine schien von Sandals Herz zu rollen, um eine unerklärliche Lücke zu hinterlassen. Wie plötzlich aller Kraft beraubt rutschte er an der Tür herunter auf den Boden.
Sie war weg.

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(Fortsetzung in: Tiger und Drache - Prolog II)
Why worry?
There are only two things to worry about:

Either you're well, or you're sick.

If you're well, there's nothing to worry about.

If you're sick, there are two things to worry about:

Either you get well, or you die.

If you get well, there's nothing to worry about.

If you die, there are only two things to worry about:

Either you go to Heaven, or to Hell.

If you go to Heaven, there's nothing to worry about.

If you go to Hell, you will be so damn busy shaking hands with your friends, you won't have time to worry.
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